Brainpower pur!

Vor einigen Wochen haben wir uns den Film The Battle of the Sexes angeschaut. Er zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der US-Amerikanerin Billie Jean King (super gespielt von Emma Stone), welche Ende der 60er/anfangs der 70er zu den besten Tennisspielerinnen der Welt gehörte. Sie setzte sich als eine der ersten Profisportlerinnen für die Gleichstellung von Mann und Frau ein, insbesondere was die Preisgelder bei wichtigen Tennisturnieren betraf. Noch vor wenigen Jahrzehnten nämlich wurden die Frauen auf dem Court zwar geduldet, weil die kurzen Röckchen hübsch anzuschauen waren. Bezahlt hingegen wurden sie unter jeder ihr-wisst-schon, weil sie noch viel lieber zuhause am Herd gesehen wurden. Ob das Gehalt von Sportlerinnen heutzutage genau so hoch ist wie das ihrer männlichen Kollegen wage ich zu bezweifeln, aber die Situation hat sich seit damals sicher um Welten verbessert. Wie in vielen anderen Bereichen unseres Privat- und Berufslebens ebenfalls. Aber das Ende der Geschichte ist bei weitem nicht abzusehen und in vielen Köpfen unserer Gesellschaft klebt die traditionelle Geschlechterrollenverteilung noch immer wie zäher Kaugummi zwischen den Synapsen fest.

Über Billie Jean King bin ich übrigens an anderer Stelle gestolpert, nämlich bei Rachel Ignotofsky. Rachel wer? Nie gehört? Dann wird es Zeit sie kennenzulernen. Sie ist Erschafferin ganz toller Illustrationen und ihr könnt hier auf Instagram, auf ihrer Website oder bei etsy Rachels Talent bewundern. Sie hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, wovon das erste seit gut einem Jahr auf der Bestellerliste der New York Times zu finden ist und ich euch heute gerne vorstellen möchte. Den Namen Ignotofsky sollte man sich trotz Zungenbrecherqualitäten auf jeden Fall merken. 
 
Rachel ist in New Jersey aufgewachsen und heute in Los Angeles zuhause. Von sich selber sagt sie, dass sie Tag und Nacht zeichnet, schreibt und sich soviel Wissen wie möglich aneignen möchte (Ha, die gute Frau sollte nachts schlafen, bevor ihr dereinst vielleicht die Kinder um die Ohren tanzen!). Vorallem die Naturwissenschaften und der Feminismus haben es ihr angetan und sie ist überzeugt davon, dass Lernen nur Spass machen kann, wenn ein Thema auf lustige und kluge Art vermittelt wird. Und das ist in Rachels Fall – klar! – die Illustration.

Women in Science –
50 fearless Pioneers who changed the World

Das Buch Women in Science von Rachel Ignotofsky stellt (wie es der Untertitel schon sagt) auf fast 130 Seiten fünfzig unerschrockene Pionierinnen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik vor, welche die Welt massgeblich verändert haben und es zum Teil noch immer tun. Während es heute für junge Frauen eine Selbstverständlichkeit ist Vorlesungen an der Hochschule zu besuchen, wurde den wissbegierigen Forscherinnen vor gar nicht allzu langer Zeit der Zutritt zu Universitäten verwehrt. Es wurde ihnen weder ein Arbeitsplatz angeboten noch gebührend Anerkennung entgegengebracht. Nur dank ihres starken Durchhaltevermögens, ihrer Kreativität und ihres Entdeckerdrangs gelang es ihnen ihre Arbeit zu verrichten und voranzutreiben – manchmal sogar mit Unterstützung aus dem Familien- oder Bekanntenkreis.
 
Im Buch werden die Frauen in chronologischer Reihenfolge gezeigt und jeder einzelnen widmet Rachel eine Doppelseite. «Widmen» ist im wahrsten Sinne des Wortes perfekt, wenn ich mich so durch das Buch schmöckere. Es beginnt schon auf dem Cover, das mit viel Liebe fürs Detail gestaltet ist und einem funkelnden Schatz gleicht: Die weissen Punkte und die Typo sind silberfoliengeprägt (was man hier auf dem Foto leider nicht annähernd erahnen kann):
 

Sich die Silberfolienprägung vorstellen und laut „Wow!“ rufen.

Auf einer Inhaltsübersicht zu Beginn des Buches werden alle Wissenschaftlerinnen aufgelistet, darauf folgt eine kurze Einleitung und dann geht’s los mit dem Feuerwerk an Zeichnungskunst.

Nein, es ist nicht alles Pink was glänzt.

Rachels lllustrationen kommen im Comicstil daher. Es sind klare, einfache Striche und Flächen, welche sie verwendet und die in ihrer Gesamtheit schlussendlich einen unverwechselbaren Charakter erhalten. Das liegt sicher auch am Aufbau der Zeichnungen: Nebst der Person (die immer links abgebildet ist), füllte Rachel die Seiten mit zahlreichen kleinen Scribbles von Gegenständen und Formen, die zur Arbeit der jeweiligen Wissenschaftlerin passen. Sie erzählt in Text und Bild deren Errungenschaften die Forschungsarbeit betreffend, aber auch immer wieder kleine Ankedoten aus deren Leben.

Eine kleine Anekdote aus dem Leben von Maria Sibylla Merian, wissenschaftliche Illustratorin und Insektenkundlerin, 1647–1717. (© Alle Bilder: Rachel Ignotofsky)

Die meisten Namen in diesem Buch werdet ihr wahrscheinlich nicht kennen (es sei denn, ihr nennt euch die Gurus der MINT-Bereiche schlechthin), aber ihr werdet überrascht sein, wie viel wertvolles Wissen, von dem wir heutzutage profitieren, nur dank dieser Forscherinnen existiert. Rachel streut vereinzelt andere wissenswerte Themen ein: Eine Timeline (mit den wichtigsten Meilensteinen weiblicher Wissenschaftlerinnen), die Lab Tools (das richtige und wichtige Equipment im Labor) und Statistiken (wie es zum Beispiel um den weiblichen Prozentsatz in der Forschung steht) und schliesst mit einem ebenfalls illustrierten Glossar ab. 

Das Buch ist bis jetzt noch nicht ins Deutsche übersetzt worden (oder belehrt mich eines Besseren bitte). Wenn euch das nichts ausmacht, werdet ihr viel Spass haben: Beim Angucken, beim Erzählen, beim Stöbern, beim Entdecken und beim Dazulernen und Mehrwissen.

P.S.: Vor lauter Lobgesang hätte ich beinahe Billie Jean King vergessen! Sie könnt ihr nämlich im zweiten Buch von Rachel Ignotofsky – Women in Sports – entdecken. Was ich dazu sagen kann? Kaufen!

 

Autorin/Illustratorin: Rachel Ignotofsky (Instagram)
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: Ten Speed Press
Auflage: 1. (26. Juli 2016)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1607749769
ISBN-13: 978-1607749769

 

Gutenachtgeschichten

Wir tingeln durch die Tage zwischen den Jahren und ich weiss nicht, ob mich das Wetter da draussen nun wütend/depressiv/traurig macht oder ich einfach froh darüber bin, einen guten Grund fürs drinnen bleiben zu haben. Ab und zu schleicht sich das schlechte Gewissen dann doch an und treibt mich und mit mir die Jungmannschaft in den kalten Niesel raus. Frische Luft tanken, neue Gedanken fassen und nasse Füsse kriegen. Ja, diese Tage wären Gold wert. Eigentlich sind sie es auch und ich sollte mich einmal mehr am Kragen packen und mir laut zurufen: «Vergiss für einmal das ewige ‚Ich sollte und müsste noch dies und das in die freie Minute hier reinpacken‘-Getue, schalte einen Gang zurück und lass einfach mal sein, was sein kann.»

Dieses Loslassen ist nicht ganz einfach für mich. Und Minuten, die derweil ungenutzt an mir vorbeiziehen, machen mich nervös und den Wäscheberg nicht kleiner. Dabei würde es sich lohnen, einen Blick auf das zu Ende gehende Jahr zu werfen und auf die vielen Dinge, welche ich alle gemeistert habe. Ja, im Alltag bin ich Profi darin, nicht das zu sehen, was ich bereits erledigt habe, sondern zappelig auf die lange To-Do-Liste mit den unzähligen, noch nicht abgehakten Punkten zu schielen. Ich weiss ja nicht, wie ihr das macht, aber bei mir sind immer welche da.

Vielleicht liegt es auch einfach an diesem verflixten Monat, dem Dezember, der mich während seiner ersten sechzehn Tagen ziemlich auf Trab hielt und am siebzehnten zu einem gewaltigen Sprung in die letzte Vorweihnachtswoche ansetzte, bei dem ich ganz fürchterlich stürzte. Plötzlich lag ich mit Grippe im Bett und meine minutiös geplanten Tage gingen flöten. Es überfiel mich eine Müdigkeit, die mir bis anhin unbekannt war und mir bewusst machte, mit welcher Energie ich in gesundem Zustand durch die Tage eile. Ich benötigte für meinen Geschmack zu viel Zeit um mich wieder aufzurappeln und sogar Agent S findet, ich sei noch nicht ganz bei meinem alten Ich angekommen (was wohl eher daran liegt, dass ich noch immer keinen Kaffee trinken mag).

Und eigentlich wollte ich euch ein wunderbares Buch vorstellen, bevor sich das Jahr zu Ende neigt. Ein paar Minuten bleiben mir ja noch, zum Glück.

Good Night Stories For Rebel Girls

 

Good Night Stories For Rebel Girls – 100 aussergewöhnliche Frauen wurde auf den Blogs landauflandab bereits heftig bejubelt und ich kann nicht anders als in den lauten Jubel miteinzustimmen! Vielleicht kennen das Buch noch nicht alle, die hier mitlesen und wenn doch, wäre ich mal wieder die Letzte, die darüber berichtet – bitteschön. Schenkt es einem lieben Menschen oder euch selber, es lohnt sich allemal.

Der Titel mag ein bisschen in die Irre führen, denn das Buch ist natürlich nicht nur für rebellische Mädchen bestimmt, sondern für alle, die sich in irgendeiner Weise für Menschen und ihre Biografien sowie die Illustrationskunst interessieren. Ich muss mir auch keine Achselhaare wachsen lassen und frage mich, wieso wir Frauen bitte gleich als Rebellinnen bezeichnet werden, wenn wir «grösser träumen, höher zielen, entschlossener kämpfen und im Zweifelsfall finden, dass wir recht haben.»? Steht in etwa so auf Seite 5 geschrieben und ist dann aber auch schon das einzige, das mir während der Lektüre sauer aufgestossen ist. Der Rest lädt ein zum Eintauchen und Staunen.

Auf den rund 200 Seiten werden 100 Frauen aus aller Welt und verschiedenen Epochen sowie ganz unterschiedlichen Themengebieten vorgestellt, die in ihrem Leben Aussergewöhnliches geleistet  oder sich gegen festgesetzte Normen aufgelehnt haben, die sich und ihre Visionen nicht unterdrücken liessen, sondern sie laut und bestimmt in die Welt hinausgerufen haben. Frauen, die ein Leben voller Leidenschaft und Neugier leben oder gelebt haben, in einem Umfeld, wo nichts dergleichen goutiert wurde und wo ihr Verhalten vielleicht noch immer Stein des Anstosses ist.

 

Einige der gezeigten Frauen wie zum Beispiel Astrid Lindgren, Coco Chanel, Jane Goodall, Elizabeth I., Frida Kahlo oder Marie Curie sind den meisten von uns ein Begriff – ganz viele andere kannte ich noch nicht und es war mir eine Freude, etwas über sie und ihre ganz persönliche Geschichte zu erfahren. Dies geschieht jeweils auf einer Doppelseite des Buchs: Links wird die Protagonistin in einem kurzen Text vorgestellt, auf der rechten Seite finden wir deren illustriertes Portrait – jedes einzelne von einer anderen Illustratorin erschaffen. Es werden also nicht nur 100 aussergewöhnliche Frauen vorgestellt, sondern etliche ebenso aussergewöhnliche Illustratorinnen dieser Welt, die zeichnerisch zu «Wort» kommen. Dadurch ist eine Vielfalt entstanden, inhaltlich wie visuell, die dieses Buch zu einem wahren Schmuckstück macht.

(© Alle Bilder: Carl Hanser Verlag München 2017)

Aber wieso denn bitte Gutenachtgeschichten? Erstens sind die Geschichten in kleine Häppchen verpackt. Davon lasse ich mir oder meinen Kindern dann gut und gerne eine, zwei oder meistens mehr zu Gemüte führen. Zweitens beginnen die Erzählungen vielfach mit einem «Es war einmal ein Mädchen…», also auf eine Art und Weise, wie wir es aus vielen Märchen bereits kennen und die uns vertraut ist.

Das Buch ist 2016 übrigens dank eines Kickstarterprojekts (initiiert durch die beiden Autorinnen Elena Favilli und Francesca Cavallo) entstanden. Inzwischen ist bereits die x-te Auflage produziert und unter anderem auch ins Deutsche übersetzt worden. Und falls ihr Lust auf mehr Geschichten über aussergewöhnliche Frauen und Illustrationen habt: Good Night Stories For Rebel Girls – Volume 2 soll bei uns Ende Februar 2018 erscheinen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen tollen und inspirierenden Start ins 2018. Möge es ein Jahr voller grosser und kleiner Ideen, schöner Momente und wertvoller Freundschaften sein!

 

Titel der Originalausgabe: Good Night Stories For Rebel Girls
Autorinnen: Elena Favilli und Francesca Cavallo
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erschienen: 5. Auflage, 25. September 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446256903
ISBN-13: 978-3446256903

 

Muttergefühle. Zwei

Als Mutter könnte ich jeden Tag an mir selber zweifeln, würde ich den vielen «Müsstest» und «Solltest» Glauben schenken, die sich von überall her in mein Bewusstsein zu drängen versuchen und mich überzeugen wollen, dass ich so ziemlich vieles falsch mache. Oder einfach nie genug. Kaiserschnitt? Oje! Fläschchenmilch? Aiaiai! Das Baby allein in seinem Zimmer schlafen lassen und wenige Monate nach der Geburt wieder in den Beruf zurückkehren? Ego! Im Alltag selbstbewusst das zu vertreten, was wir für uns als Familie und für unsere Kinder, aber auch für uns selber das Beste halten, braucht immer wieder Durchhaltevermögen und die Gabe, das besserwisserische Geschnorr anderer beim einen Ohr rein und beim anderen wieder blablablablablablabla….

An sich selber zweifeln tun sie trotzdem immer wieder, die Mütter. Trotz des guten Willens es nicht zu tun. Verzweifeln sowieso.

Aber zum Glück gibt es Rike Drust! 2011 hatte die Hamburger Autorin und Werbetexterin ihr Debüt Muttergefühle. Gesamtausgabe (ich hatte hier auf dem Blog schon kurz darüber berichtet) veröffentlicht, seit anfangs September steht Muttergefühle. Zwei – Neues Kind, neues Glück in den Verkaufsregalen. Und wer jetzt denkt, das Buch sei ein lauer Abklatsch von Ausgabe Nr. 1 mit Kind Nr. 2 in der Hauptrolle, täuscht sich ganz gewaltig. Wie auch schon in der Gesamtausgabe gibt Rike im neuen Buch offen ihre Emotionen und Gedanken zu ihrem Familienleben wieder. Nur dass diese Familie plötzlich vier Köpfe hat und es mit plus einem Kind klar anstrengender, aber auch viel viel schöner und (wie sie selber sagt) durchgeknallter ist!
 

 
Da drin steckt aber noch einiges mehr als Nächte ohne Schlaf, nörgelnde Kinder oder in der Kloschüssel untergetauchte Socken. Diese Begebenheiten machen Rike zwar nicht glücklich, aber sie lacht im besten Fall darüber (weil ihr sonst nichts anderes übrig bleibt) und stellt sich nicht nur der vorangegangenen Schwangerschaft und dem unvermeidlichen Kaiserschnitt, sondern auch dem tagtäglichen Familienwahnsinn mit Pragmatismus und viel Humor.

Muttergefühle. Zwei macht mich sehr fröhlich. Weil Rike über gängige und heiss diskutierte Mütterthemen wie zum Beispiel das Stillen, Erziehungsmethoden oder den perfekten Altersabstand von Geschwistern schreibt wie es keine andere tut: Ehrlich, augenzwinkernd (ohne jemals gezwungen lustig zu klingen) und immer wieder mit einem Fünkchen Selbstironie. Sie berichtet von ihren Erlebnissen, erhebt aber nie den mahnenden Zeigefinger oder verteilt neunmalkluge Ratschläge. Und jedes Mal, wenn ich beim Lesen gedacht habe «Wow,  jetzt wird sie aber richtig ernst!», hatte ich am Ende der Kapitel doch meistens ein Lächeln auf den Lippen.

Ich fühle mit Muttergefühle. Zwei mit. Weil Rike ähnliche Erfahrungen macht, wie ich es gerade mit meinen ungefähr gleichaltrigen Kindern tue. Ich kriege bei ihr aber keine Erfahrungsberichte zu hören, die jenseits meines Mamauniversums existieren. Ja, Mütter sind auch nur Menschen, die mal schlechte Tage und keinen Nerv für dezente Ermahnungen haben. Und dann ist es mir auch egal, was die Leute in der Migros von mir denken, wenn sie mich noch drei Regale weiter hinten schimpfen hören. Darüber mache ich mir frühestens an der Kasse Gedanken. Oder drei Regale weiter hinten.

Ich finde Muttergefühle. Zwei sehr wichtig. Weil Rike Themen zur Sprache bringt, die das Kinderhaben mit sich bringt. Sie betreffen zwar nicht unmittelbar den Nachwuchs, mich oder uns Eltern aber umso direkter. Was passiert mit meinem Körper während und nach einer Schwangerschaft? Wie darf, muss, soll derjenige bitte aussehen? Wieso werde ich in der Spiel- oder Süsswarenabteilung gezwungen, mich für Rosa oder Hellblau, für mutige Piraten oder entzückende Prinzessinen zu entscheiden? Was geschieht mit unserer Beziehung als Paar, wenn der Alltag mit den Kindern über uns hereinzubrechen droht und die «Wer macht mehr im Haushalt? / Wer betreut die Kinder, wenn sie krank sind? / Und ähnliche»–Fragen Auslöser für Eheknatsch werden? Was ist mit meinem Job und der Altersvorsorge, wenn wir uns zwar alle eine Vereinbarung von Familie und Beruf wünschen und ich trotzdem einsehen muss, dass das alles gar nicht klappen kann (vorallem wenn man in einem so «fortschrittlichen» Land wie der Schweiz lebt) und ich immer irgendwo Abstriche mache? Was passiert mit mir selber, meiner Identität, die ich bei alledem irgendwo den Bach runtersausen sehe – oder zumindest Teile davon? Und wie gehe ich mit der Angst um, dass meiner Familie etwas Schlimmes zustossen könnte? Fragen über Fragen, die sich auch Rike stellt. Die Antworten darauf kann sich jede einzelne Mutter für sich persönlich geben. Rike gibt keine Tipps und wertet nie, aber sie macht uns auf uns selbst und unseren Umgang mit unseren Liebsten aufmerksam.

Muttergefühle. Zwei macht mir Mut. Vorallem wenn es um die Stimmen von aussen geht. Wie Rike glaube ich daran, dass Kinder gut auf Frühförderung, Vollzeitbespassung, fernsehfreie Erziehung oder eine ständig anwesende Mutter verzichten können und trotzdem zu glücklichen, respektvollen und zufriedenen Erwachsenen heranwachsen dürfen. Dass es im Grunde ganz einfach wichtig ist, wie wir mit unseren Sprösslingen umgehen und dass wir ihnen Aufmerksamkeit, Vertrauen und Respekt schenken, nebst der Riesenportion Liebe natürlich! Dass es auch ok ist, wenn wir nicht immer strikt den einen vorgegebenen Pfad bewandern, sondern versuchen uns so gut es geht an unserem «roten Faden» entlangzuhangeln. Und uns auch immer wieder in Gelassenheit üben. Ich erinnere mich in Zeiten der Zweifel jeweils gerne an Szenen meiner Kindheit zurück und beispielsweise daran,  dass ich mit sechs die Farben noch nicht benennen konnte und viele Jahre später trotzdem Grafikdesignerin geworden bin – entgegen meiner «Inkompetenz» im Kindesalter.

Wegen alledem und noch vielem mehr mag ich Muttergefühle. Zwei sehr. Rikes Zeilen auf den rund 300 Seiten sind Balsam für meine Mutterseele. Wie eine gute Freundin, die mir zuhört und mich versteht. Wie Nachhause kommen nach einem Scheisstag. 💚

 

Weil ich das Buch so toll finde, verschenke ich ein Exemplar von Muttergefühle. Zwei hier auf dem Blog! Wieso ich gerade dir das Buch schenken soll, kannst du gerne unten im Kommentar aufschreiben. Das Los wird entscheiden (so in ein, zwei Wochen).
Danke für eure Kommentare! Das Los wurde gezogen – Jenny J ist die glückliche Gewinnerin 🙂 Viel Spass beim Lesen!

PS: Hier auf Pinkstinks könnt ihr übrigens eines der wichtigsten Kapitel aus dem neuen Buch nachlesen.

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Autorin: Rike Drust
Broschiert:
304 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
Erschienen: 1. Auflage, 4. September 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570103145
ISBN-13: 978-3570103142
 
 

Retrospektive in kurz

Schuhe – Converse . Mantel – Benetton . Hose – Closed .
(Nur für den Fall, dass ich mal Influencerin werden sollte.)


 
Was bisher geschah? Seit meinem letzten Beitrag anfangs Juni waren wir alle mindestens einmal krank – nacheinander natürlich, so wie’s sein soll. Es standen ein Kindergartenabschied und diverse andere Festivitäten an. Wir reisten nach Schweden, nicht ohne vorher stundenlang die Packlisten studiert und möglichen (und vorallem unmöglichen) Kofferinhalt eruiert zu haben. In Skandinavien muss man wettertechnisch auf praktisch alles gefasst sein, kam uns zu Ohren. Ein Glück also, mussten wir die Regenjacken und Schirme dann doch nie aus den Koffern zerren. Und ein Jammer, reiste die kurze Hose ungetragen wieder nach Hause.

Bevor ich hier ausschweife und zum Reiseblog mutiere: Ich kann dieses Schweden einfach nur empfehlen! Wir hatten trotz meiner berühmten Flugangst und den unzähligen Autokilometern auf dem Weg von Malmö nach Stockholm jede Menge Spass, wurden überall sehr freundlich empfangen und unsere Köpfe quellen noch immer über vor schönen Erinnerungen an unsere Reise. Glücklicherweise vergesse ich die unschönen Momente (mit wenigen Ausnahmen) jeweils blitzschnell – zum Beispiel, dass ich wegen einer deftigen Erkältung drei Tage lang wie ein Zombie in Vergnügungs- und Elchparks rumgelatscht bin oder die Kinder sich gefühlt permanent gestritten haben und ich viele Male kurz vor dem Heulen war. Wieso? Weil ich mir unsere Ferien ehrlich gesagt ein bisschen friedvoller und vorallem erholsamer vorgestellt hatte. Phhhhh. Und nett gesagt: Das war ein schöner, nordisch angehauchter Tapetenwechsel.

Nun ist der Grosse seit bald vier Wochen Schulkind. Wahnsinn. Ich bin ja eigentlich die Letzte, die dauernd in die Welt hinausposaunt „wie schnell doch die Zeit vergeht“! und dabei wie eine faltige Greisin weise lächelt. Ich kann mich nämlich noch ganz gut an die ersten Tage, Wochen und Monate mit dem Grossen erinnern: Ich war bis zu 24 Stunden täglich wach, die Nacht wurde zum Tag und umgekehrt. Und ich zählte in meinem Schlafmanko-Delirium jede einzelne Minute, bis die berüchtigten zwölf „Babybauchweh-Wochen“ überstanden waren. Ich kann euch beruhigen: Es war nach zwölf Wochen nichts überstanden. Seitdem haben wir viele viele Tage miteinander erlebt, zusammen gelacht und geweint. Die Zeit verging nie zu schnell, wir haben sie ganz ordentlich ausgekostet, würde ich meinen. Und trotzdem bin ich ständig überrascht, wie gross und unabhängig mein Erstgeborener schon ist. Dass er die Schule und das ganze Drumherum ganz gut zu meistern scheint und ich einfach ein bisschen Vertrauen haben kann, dass das alles schon irgendwie klappt. Manchmal, nur manchmal, bin ich ein bisschen wehmütig, dass die Kleinkinderjahre vorbei sind. Dann sehe ich im Gegenzug wie sich allmählich wieder klitzekleine Freiheiten in meinen Alltag schmuggeln – kurze, wertvolle Augenblicke, in denen ich ungestört etwas erledigen oder auch einfach mal sein kann. Momente, in denen ich mein „Ich“ wieder bewusst wahrnehmen kann.

„Wie schnell die Zeit vergeht…“ Habt ihr eigentlich gewusst, dass ich im Februar 40 geworden bin und mein Blog in diesen Tagen sein 10-jähriges Bestehen feiert? Wahrscheinlich nicht. Denn erstens sehe ich ja mindestens  7 Jahre (!) jünger aus.
 

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Und zweitens ist diese Website hier noch genauso unbekannt wie anno 2007. Ich bin die geborene Non-Influencerin, könnte man sagen. Die Lust am Schreiben habe ich aber trotzdem nie verloren. Wahrscheinlich weil ich hier nichts muss, sondern einfach nur darf und (leider) absolut keinem Zeitdruck ausgesetzt bin. Ich bin dann doch immer wieder überrascht, dass Leute mitlesen und freue mich sehr über Feedbacks. Aber es gibt definitiv Wichtigeres im Leben als möglichst viele Likes zu generieren, oder? Mit ein Grund wohl, dass ich Non-Influencerin geworden bin.  😂

 Schön, seid ihr da!

 

Marta & Ich

Heute möchte ich euch von Midli erzählen. Midli wohnt gleich nebenan, im Dachgeschoss des Nachbarhauses. Sie ist 4 Jahre alt und kommt nach den Sommerferien in den Kindergarten. Oder ist sie schon 6 und ab August Schulkind? Hmm, ich sollte bei Gelegenheit die Kleine fragen. Seit einiger Zeit nämlich ist diese Midli ihre Freundin. Midli trägt keine Windeln mehr und mag unglaublich gerne Schokolade und Pasta. Midlis Bruder heisst Gogo und ist zwei. Und dann sind da noch Lele und Dodo, die ebenfalls mit meiner Tochter befreundet sind. Die beiden sind zwar gute Freunde und die Kleine erwähnt sie immer mal wieder. Aber nur mit Midli scheint sie ein Herz und eine Seele zu sein. Best Buddies halt.

Ich hätte Midli gerne kennengelernt und anfangs hielt ich in der Spielgruppe neugierig Ausschau nach der geheimnisvollen Freundin und ihren Kumpanen. Voller Ernst und sehr überzeugt gab uns die Kleine immer mehr lustige Geschichten über Midli & Co. zum Besten, bis es uns irgendwann dämmerte:

Die vier existieren nicht wirklich.
Also, doch, eigentlich schon.
Wenn auch «nur» in der Fantasie meiner Tochter.

Lustig, dass vor einigen Wochen ein Buch im Atlantis Verlag erschienen ist, welches genau diese Thematik beinhaltet. Es heisst MARTA & ICH und stammt aus den Federn des Schweizer Illustratorinnen-Duos It’s Raining Elephants (dahinter stehen Evelyne Laube und Nina Wehrle).


 
Die wunderbare Geschichte handelt von Marta, einem rothaarigen Mädchen, das für ihr Leben gerne zeichnet. Nein, sie liebt es! So sehr, dass sie immer und überall zeichnet. Da liegen jederzeit Papier und Malstifte bereit und langsam füllen sich die Wände mit Martas Werken: Hier ein Igel, dort ein Katzenhai, ein Bild von Papa und eins, das einen gefährlichen Säbelkrieger zeigt. Bis… bis sie eines Tages ein riesiges Blatt Papier an der Wand befestigt, einen grossen Pinsel zur Hand nimmt und malend einen freundlichen Löwen erschafft, den ICH-Erzähler des Buchs.

Nanu?

Der Löwe tritt alsbald aus der Malerei in Martas Welt hinein und wird vom kleinen Mädchen auf eine wundersame Reise mitgenommen. Sie erleben aufregende Abenteuer, auf hoher See und im Dickicht an Land. Sie veranstalten eine lustige Wasserschlacht und kriegen sich mächtig in die Mähne. Danach essen sie gemeinsam Popcorn – ist ja klar, herumtoben macht hungrig – und vertragen sich wieder. Wie es gute Freunde halt tun. Und weiter stürzen sie sich – atemlos – ins nächste Abenteuer.

Schiff ahoi!

(© Alle Bilder: Atlantis Verlag)

Der Illustrationsstil von Evelyne und Nina ist schlicht und das Bilderbuch beginnt ruhig, mit einigen wenigen, schwarzen Strichen und viel Weissraum. Man hat das Gefühl, die Geschichte entstehe direkt auf dem Papier. Je tiefer wir in die Erzählung hineinzutauchen scheinen, desto lebendiger und farbiger wird die Welt von Marta und ihrem Begleiter. Nebst dem einen klaren Strich kommen mit dem Erwachen des Königs der Tiere auch plötzlich dünne und dicke Pinselstriche zum Einsatz, die frei und mutig über die Seiten tanzen. Die Zeichnungen werden von Seite zu Seite üppiger – sie tropfen im wahrsten Sinne des Wortes vor Farbe und Freude. Hie und da entdecken wir lustige Details. In einigen Szenen hat man sogar das Gefühl, die Aquarellfarbe sei eben erst aufgetragen worden und noch am Trocknen.

Nichts scheint die beiden auseinander zu bringen. Bis eines Tages der Löwe verschwindet. Als hätte er sich in Luft aufgelöst. So wie die tanzenden Pinselstriche. Es ist leer und Marta wirkt traurig. Sie vermisst ihren tierischen Spielkameraden und der Löwe meint daraufhin: „Ich habe Marta nie mehr gesehen“.

Man könnte heulen und sich fragen, wohin der Löwe denn verschwunden ist. Spätestens am Ende der Geschichte wissen wir jedoch, dass Marta ihren besten Freund nicht vergessen hat. Und es wohl auch nie tun wird.

Titel der Originalausgabe: Marta & moi
Text und Illustration: It’s Raining Elephants (Nina Wehrle und Evelyne Laube)
Gebundene Ausgabe:
88 Seiten
Verlag: Atlantis Verlag
Erschienen: 1. Auflage, März 2017
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-7152-0730-8
 

Rambazamba

Eine super Woche haben wir hinter uns. Vor einigen Tagen musste ich mit dem Grossen einen ganzen Morgen im Krankenhaus sitzen. Und warten. Und mit ansehen, wie mein Sohn noch immer allergisch auf gewisse Lebensmittel reagiert, die andere Menschen ohne Weiteres vertilgen. Deprimierend, irgendwie.

Eigentlich hasse ich alles, was mit Spital und Arztpraxen zu tun hat, geschweige denn nur ein kleines bisschen danach riecht. Blut lasse ich mir (noch immer!) nur im Liegen nehmen und mir wird auch ständig ganz schummrig vor Augen, wenn mir jemand von den Einzelheiten seines spektakulären Beinbruchs erzählt. Ich kann auch ganz gut in Ohnmacht fallen ohne vorher ein Tröpfchen Blut gesehen zu haben – bei Besichtigungen von Blutspendezentren ausserhalb der Öffnungszeiten zum Beispiel, wenn noch keine Menschenseele an den Schläuchen hängt. Hingegen wundert es mich nach wie vor, dass ich überhaupt Kinder gebären konnte ohne wegzutreten. Ich war immerhin ganz Ohr, als die Ärzte damals – Zack – meinen Bauch aufgeschnitten haben und – Ruckelruckel – ein Kind aus mir rausgezogen haben. Zweimal.

Nach dem Krankenhaustermin anfangs dieser Woche verschwand die Schummrigkeit jedoch nicht, sondern verwandelte sich gegen Abend in stechende Bauchschmerzen, einem Magenrambazamba der unschönen Art. Panisch hatte ich das am Mittag verspiesene (und immerhin selbstgemachte) Schoggi-Mousse vor Augen und kramte in meinen Gehirnwindungen verwirrt nach dem Legedatum-Stempel der verwendeten Eier. Könnte es sein, dass? Nicht auszudenken! Ich war ja nicht die einzige gewesen, die in den Genuss einer zwei Portionen Dessert gekommen war. Und jetzt sollten alle wegen ein paar gemeiner Salmonellen flach liegen?

Langsam verging der Schmerz und die Erleichterung machte sich breit. Dabei hatte ich vergessen, dass gewisse „Käfer“ einem Staffellauf ähnlich ihre Runden ziehen. Genau. Kaum fühlte ich mich nämlich etwas besser, kotzte mir beim Frühstück die Kleine auf die frisch gewaschene Jeans. Hach, manchmal ist das Leben schön! Vorallem, wenn man eine eigene Waschmaschine im Keller stehen hat.

Ein gesundes Wochenende euch allen!


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